Ja ist denn schon wieder Weinrallye. Wahnsinn – #100 ist doch erst geschrieben worden. Time flies.

Weinrallye 101

Weinrallye 101

Dieses Monat ausgerichtet von Nico und Paul vom Drunkenmonday Weinblog. Jungens – kurz inne halten: Ihr seid tatsächlich der Erste Weinblog gewesen, dem ich gefolgt bin. Noch bevor ich Facebook und bloggen für mich entdeckte. Insofern Ehrensache, dass ich mich beteilige, wenn Ihr ruft.

Das Motto diesen Monat lautet “Herzensweine” – den Plural werde ich wörtlich nehmen.

Wir Weinverrückte haben sie doch alle – diese Weine, die wir in unser Herz geschlossen haben – aus unterschiedlichsten Gründen und mit abweichender Intensität. Weine, die uns einen besonderen Moment beschert haben, oder Weine, die uns seit Jahren begleiten – oder eben Weine, die wir zu einem bestimmten Anlass getrunken oder gekauft haben etc. etc.

Das Ei aller Dinge

Mein Herzenswein weiß ist ein Sauvignon Blanc aus Deutschland. Es gab Jahre und Phasen, da war Sauvignon Blanc für mich das Non-Plus-Ultra der Weißweine – echt. Das liegt ja aber evtl. genau an solchen Weinen, wie den gleich Vorgestellten. Ich habe Sauvignon Blanc nie mit den so banalen Supermarkt-Wässerchen und auch nicht mit den New World Weine a lá Cloudy Bay etc.erkundet – ich habe Sauvignon Blanc durch Südtirol und Württemberg kennen gelernt. Meine Einstiegs-Sauvignons waren Sachen wie der St. Valentin von der KG St. Michael in Eppan – oder die SB’s von Schnaittmann und eben Aldinger aus den Stuttgarter Suburbs. Aldinger ist es letztlich, der für mich hier als weißer Herzenswein herhalten muss.Allerdings nicht der ebenso meist phänomenale “Große Reserve”, sondern der in limitierter Auflage erscheinende “OVUM”, der im Betonei ausgebaut wird.

Ovum 2011

Ovum 2011

Aldinger an sich ist eines meiner Lieblingsweingüter in D und ich denke gerne an einen grandiosen Samstag im November 2012 zurück, an dem uns der Senior (Gert) in die Weinberge gefahren hat und wir anschließend in der Verkostungsstube gelandet sind. Ein Pfundskerl dieser Aldinger senior – und doch haben wir (oder ich) den Ovum eher den beiden Söhnen Hansjörg und Matthias zu verdanken, die mittlerweile Keller und Weinberg übernommen haben. Ich bin seit dem ersten Jahrgang 2010 (so glaube ich es wenigstens) dabei und da ich in nicht allzuferner Vergangenheit mit Weinlagerung nicht soviel am Hut hatte, konnte ich heute nur noch mit einem 2011er aufwarten – der letzten Flasche der obligatorischen 3er Holzkiste. Meiner Kausalkette folgend ist also klar – Ovum in diesem Reifestadium hatte ich selber noch nicht.

Diese SB-typische Primärfruchtigkeit suchen wir hier vergebens. Alles was ich bei dem Wein heute an Frucht ausmache, ist eine dezente Kaktusfeige. Ich vernehme Bittermandel – wunderbare Cremigkeit und Schmelz. Sehr schön alles – auch schön gereift im Keller – könnte aber sicher noch einige Jahre weiter liegen. Da ich vom 2012er und 2013er noch je 2 Flaschen haben, kann man des Reifeexperiment dort auf längere Zeit anlegen. 2014 gabs wohl leider nichts – so wurde mir gesagt. Auf 2015 freu ich mich schon, der sollte jetzt bald rauskommen. Einer der großen deutschen Weißweine außerhalb des Riesling-Sektors.

“Now to something completely different”

Herzenswein der völlig anderen Art. Wisst Ihr noch was Euer erster im Ausland, im Weinbaugebiet gekaufter Wein war? Als ich neulich bei einem renommierten deutschen Weinhändler gestöbert habe, wurde mir das bewusst. Toskana – Montaione (irgendwo im Dreieck zwischen Florenz, Siena und Pisa) – Weingut “La Pieve” (die Pfarrei). Der einfache Chianti war es damals 2004, den wir am Tag nach der legendären Anreise (man durchsuche meinen Blog) für satte €5 gekauft haben beim örtlichen Dealer. Was war das für ein schöner Urlaub – im kleinen Ferienhaus zu Viert. Mit selber kochen oder grillen – Wein haben wir damals sogar aus D mitgenommen – italienischen aus Apulien und Sizilien (schäm) – aber wir sind an einem Sonntag angereist, da hatte nichts offen und insofern war das wieder irgendwie legitim. Es war ein Urlaub geprägt von Brettspielen und daraus resultierenden Beziehungskrisen, geprägt von Jaqueline (gesprochen Schakkeline) und Ihrem Schwimmbeeen (ehrgeizige Väter, die Ihre Töchter auf eine 50m-Brust Goldmedaille vorbereiten wollen sind lustig!) und eben geprägt von ersten Weingutsbesuchen (Terruzzi & Puthod z.B. – würde ich heute sicher anders machen). Mir blieb in Erinnerung, dass der Chianti La Pieve (war damals wohl Jahrgang 2002 oder 2003) uns suuuper gut geschmeckt hat – was aber natürlich auch am ersten Abend, Terrasse, Schönwetter etc. gelegen haben könnte.

Ergo – als ich den La Pieve Chianti (in diesem Fall 2012) bei einem Onlinehändler entdeckt habe, habe ich sofort bestellt – nicht ahnend, dass man mir mit dem Thema Herzensweine hier eine Plattform gibt, den vorzustellen. Ich habe also im Glas, einen Chianti, der sich nicht schminken und verkleiden will. Der will keinen Smoking tragen. Der ist einfach gestrickt aber trotzdem gut, ehrlich und authentisch. Das ist der Wein, der eher in Short und Shirt am Freitagabend auf der Couch sitzt und Bayern gegen Bremen guckt (geht grad los – stark bleiben Dirk). Der Wein versetzt mich zurück – 12 Jahre – in den Sommer 2004 – zu einem schönen Toskana-Trip – dem ersten dieser Art. Mittlerweile komme ich selten über die südliche Grenze Südtirols – ich bleibe immer dort hängen – in meiner zweiten Heimat, einer Region mit ebenso fantastischen Weinen, so dass es eigentlich ein Wunder ist, dass ich keinen Südtiroler Wein als meinen Herzenswein auerkoren habe. Der Kerner vom  Nössing oder der Mantsch von Schreckbichl hätten allemal das emotionale Potential dazu gehabt.

La pieve

La pieve

Danke an die unermüdlichen Kämpfer wie z.B. Peter Züllig, die die Weinrallye am Leben erhalten. Alle Beiträge zu dieser Episode könnt ihr hier aufrufen.

FacebookGoogle+Share