Man trinkt deutsch – Teil 7 – Angelina Schmücker – Rheinhessen

Zum Glück bin ich nicht anfällig für Weinempfehlungen. Das lässt mich ja regelmäßig kalt, wenn einer meiner FB-Freunde was postet und empfiehlt. Mir doch egal.Mein Postbote kann das bestätigen. Da ist in schöner Regelmäßigkeit immer mal wieder ein Tag dabei, an dem kein Paket mit Wein ankommt – geht doch.

Hin und wieder erwischt es mich dann doch. Auch völlig an meinem Trinkprofil vorbei (was ist schon ein Trinkprofil). So geschehen bei Angelina Schmücker – empfohlen vom Betreiber einer dieser hippen Pizzabuden in Köln und D’dorf. Jungwinzerin – erster Jahrgang – was soll da schon schief gehen. Sympathischer Facebook-Erstkontakt mit der Winzerin kurz vor meinem Urlaub und vereinbart, dass die Weine in 7 Tagen geschickt werden und ich sie frisch in Empfang nehme, wenn ich aus Florida zurück komme. Was andere Versender in eine endlos andauernde Lebenskrise stürzen würde, hat hier reibungslos geklappt. Weine waren am Tag der Rückkehr mit der Post angekommen – perfekt.

Behandeln wir mal zuerst die völlig UNWICHTIGEN Sachen – das Winzerlogo. Mein erster Blick darauf und die Frage an meine Frau: “sag mal – das sieht doch aus wie ein Frauen-Dekolleté oder?”. Seit dem krieg ich das Bild nicht aus dem Kopf. Was ist denn das mit dem Logo? Auflösung unten.

AS Weinwappen

AS Weinwappen

Wer issn das eigentlich? Angelina Schmücker – nie gehört. Ich könnte jetzt abschreiben – werfe Euch stattdessen aber diesen Link zum Fraß vor: http://angelina-schmuecker.de/ueber-mich/. Ganz so einfach machen wir es uns dann doch nicht – ein bisschen mehr zu Angelina weiter unten im exklusivsten aller Interviews.

Bei den Weinen ist eines von Anfang an klar: es sind Weine die keine “hidden Agenda” haben, die einfach nur zum Trinken da sein wollen und den Leuten schmecken sollen. Das schaffen die Weine vorzüglich.

Schmücker Weine

Schmücker Weine

Im Detail handelt es sich dabei um die Cuveé “Verschnittsche” und einen Müller-Thurgau.

Verschnittsche 2016 – 12,0 % Vol – € 7,90

Ein Verschnitt(sche) aus Müller-Thurgau, Silvaner und Sauvignon Blanc. Ein Terrassenwein wie er im Buche steht. Sehr klar und transparent im Glas mit einer eher zurückhaltenden aber schönen Nase aus tropischen Früchten. Zischt sich weg wie nix – empfehle ich auch allen nicht Wein-Nerds – ach was, vor allem denen.

Müller-Thurgau 2016 – 12,5 % Vol – € 9,90

Auch hier dezente Frucht in der Nase. Mehr die gelben Früchte wie Birne und gelber Apfel (Golden Delicious). Den kann ich mir auch gut zum Essen vorstellen, weil er etwas mehr Gummi am Asphalt lässt als das Verschnittsche, d.h. gehaltvoller und kräftiger ist.

Klar ist es jetzt einfach die Weine zu loben – tut niemandem weh und gibt Punkte bei der Winzerin. So einfach wollte ich es mir aber nicht machen und habe deswegen noch ein paar 2016er Weine in der gleichen Preisregion gekauft und ebenso probiert. Zum einen die Robert Weil junior Edition aus der EDEKA – Grauburgunder und Chardonnay und zum anderen einen 2016er Weißburgunder eines recht angesehenen Winzers aus Rheinhessen – Preisklasse ebenso knapp unter 10 €. Während die Weil juniors auf Gefälligkeit getrimmt wurden und in Belanglosigkeit versinken, war der Weißburgunder knapp an der Grenze des Erträglichen was den Schwefel betrifft (ich beginne auf übermäßige Schwefelung mit Abneigung zu reagieren – Ausnahmen (JJ) bestätigen die Regel). Die Schmücker Weine sind leise – nicht auf Gefälligkeit aus und doch für jeden zugänglich. Das sind die Weine, die eigentlich in deutschen Supermarktregalen stehen sollten – alleine die produzierte Menge wird das nicht ermöglichen zur Zeit. Dass hier sehr viel Hand und Fuß hat, merkt man auch am Aussenauftritt. Stimmiges CI, das sich von der Flasche über die Kartons, Versandmaterial etc. zieht und letztlich auch in einem ansprechenden Webauftritt mündet.

Well done Angelina und danke dafür, dass Du auch noch Zeit gefunden hast, ein paar Fragen zu beantworten. Ich freue mich darauf die Winzerin weiter zu verfolgen in den nächsten Jahren und übergebe das Wort an die Hauptakteurin.

Dein Logo – ich sehe da dauernd ein Damen Dekolleté – klär mich auf :) Was bedeutet das Logo?
Auch gut ;-) Ich hab jetzt schon viele Deutungen gehört und find es spannend was man alles sehen kann! Also die äußere Linie ist ein Weinglas (nur der Stiehl fehlt), dann sieht man mit der Spitze oben das A für Angelina, der Schwung im Glas, ist das S für Schmücker und auch der Schwung wenn man seinen Wein schwenkt, die Striche links sind die Rebzeilen, dann das Fass und der Tropfen! Auf meiner Homepage und Weinkiste kannst du auch die Icons nochmal einzeln sehen. Weinberge = Terroir, Fass = Handwerk und Tropfen = Genuss!

Du hast den ersten Jahrgang jetzt gefüllt und am Markt – ist da noch was im Keller aus 2016? Oder wars das? Wieviel Flaschen machst Du von den beiden (?) Weinen. Wie sieht der mittelfristige Plan aus? Kommt man als Winzerin in Rheinhessen ohne einen Riesling aus?
Nein, im Keller ist nichts mehr. Ich habe „nur“ knapp 6000 Flaschen Verschnittsche und 2500 Flaschen Müller…bei der Menge hätten sich zwei Füllungen wirtschaftlich und qualitativ nicht gelohnt. Der mittelfristige Plan…wenn alles gut läuft werde ich nächstes Jahr bzw. dieses Jahr von beiden Weinen mehr machen. Ich bin schon in Gesprächen bzgl. Weinberge, wenn alles nach Plan läuft gibt es nächstes Jahr noch einen Grauburgunder. Großes Ziel ist es natürlich, dass ich auch meinen eigenen Keller habe, bzw. dann irgendwann mein eigenes Weingut habe. Komischerweise werde ich das mit dem Riesling öfters gefragt :-) Also wenn man eigene Weinberge suchen und finden muss, ist Riesling auch nicht gerade einfach, da niemand freiwillig Riesling abgibt, jedoch muss ich gestehen ich bin nicht so der Riesling Fan. Auf Verkostungen probiere ich schon gerne Riesling und finde es spannend wie Facettenreich er sein kann. Aber privat trinke ich eigentlich kaum Riesling und würde mir im Restaurant auch nie einen Riesling bestellen. Ich liebe Müller, leider ist es schwer guten Müller in deutscher Gastro zufinden, die meisten Gastronomen haben glaub ich Angst. Und wenn ich im Restaurant bin, halte ich mich bei Müller, Silvaner, Burgunder auf oder auch wenn ich bei anderen Winzern Wein kaufe! :-)

Kein altes, erfolgreiches Weingut von den Eltern übernommen – noch nicht mal ein heruntergewirtschafteter Traubenlieferant an die Genossenschaft. Wie schwierig ist das von total Null zu starten.
Es war bzw. ist schon nicht leicht! Ich hätte eigentlich auch gerne viel früher meinen eigenen Wein gemacht, aber es ist nicht leicht einen Winzer zu finden, der bereit ist den Keller zu teilen. In der Weinlese, je nach Wetterbedingungen ist es schon mal stressig und wenn man dann auch noch zu zweit ist, muss man das schon koordinieren. Und natürlich war/ist es finanziell auch nicht einfach. Ich muss ja erstmal alles vorlegen, das heißt, ich musste meine CI entwickeln, was auch alles nicht günstig ist, aber ja passen muss, deshalb sollte man da nicht sparen. Schraubverschlüsse, Etiketten, Kartonagen, alles hohe Kostenpunkte und im ersten Jahr hat man natürlich auch überall noch Klischeekosten. Und die Weinberge/bzw. Trauben kosten Geld und das abfüllen und etikettieren kommt auch dazu. Deshalb bin ich ja nach meinem Studium erstmal in den Vertrieb nach Frankfurt gegangen, da ich einfach nicht die Möglichkeiten hatte das alles zu stemmen. Ich habe zwar noch während dem Studium zusammen mit meinen Eltern eine alte Hofreite in Rheinhessen gekauft, mit dem Traum daraus irgendwann ein Weingut zu machen, aber der Rest hat noch gefehlt. Jetzt bin ich sehr froh und dankbar, dass mein Partner auch mein beruflicher Partner geworden ist und mir so vertraut und an mich und mein Können geglaubt hat, dass er mich unterstützt. Er wusste ja auch nicht ob ich Wein machen kann, er wusste nur dass ich mich auskenne, eine gute Nase beim Verkosten habe und großes Fachwissen, aber das heißt ja nicht nichts. Glück war auch, dass die Jungs vom Weingut Johanninger gar nicht lange überlegt haben und mir die Möglichkeit gegeben haben, Weinberge von ihnen zu bekommen und den Keller zu nutzen. Trotzdem ist alles noch auf Anfang, ich muss schauen, dass ich mich vergrößern kann und das ist auch nur zu einem gewissen Grad ohne eigenen Keller möglich und muss dann auch parallel schauen, wie ich es schaffe mir meinen eigenen Weinkeller aufzubauen. Die Technik die man dazu benötigt findet man nicht gerade zu Schnäppchenpreisen. Aber ich denke der Grundstein ist gelegt und da ich das geschafft habe, kommt der Rest auch noch! Ich muss nur Geduld haben und jung genug bin ich auch noch, wäre ich jetzt 6-7 Jahre älter, wäre es schon schwieriger, schließlich möchte ich irgendwann davon Leben können und nicht die Doppelbelastung haben noch einen anderen Vollzeitjob haben zu müssen. Ohne den geht es aber im Moment noch nicht, mein Leben finanziert im Moment meine Anstellung im Weingroßhandel.

Zum Schluß noch ein bisschen Smalltalk: welchen Wein hattest Du zuletzt im Glas (ausser deinen eigenen) – und wie war er ?
Zu letzt hatte ich einen Rosé aus der Provence im Glas vom Château de Berne und er war sehr gut. Mineralisch, hat mich an Meer erinnert, salzig, Aromen von roter Orange! Einfach ein toller Rosé, eher der maskuline Typ. Einschenken und dann entspannen.

Frei von allen finanziellen Zwängen und Rahmenbedingungen – wie sähe Dein ideales Weingut aus – wo wäre es, was würdest Du produzieren?
In Rheinhessen oder in Frankreich. Einen alten Hof, irgendwo im Ortskern von einem schönen Ort. Neuste Technik in alten Gemäuern, einen schönen Barrique Keller, genug Platz für die ganze Familie! Bleiben wir mal in Rheinhessen (primärer Wunsch), hier würde ich Müller, Silvaner, Grauburgunder anbauen, einen kleinen Spaßweinberg mit Chardonnay, einen kleinen Weinberg mit Sauvignon blanc für mein Verschnittsche und ich würde noch Spätburgunder machen. Und wenn ich dann noch Zeit habe, würde ich zwischendurch den Hof öffnen und was schönes Kochen, aber so Familystyle -mässig, alles an einen Tisch. Ich liebe kochen und es gibt nix schöneres als einen vollen Tisch, mit Liebe gedeckt und dekoriert, mit gutem traditionellen Essen und natürlich mit guten Weinen. Wir hätten auch Hühner, einen eigenen Gemüse- und Kräutergarten, jedes Jahr zwei Schweine um eigenes Fleisch und Wurst zu haben, mein Pferd hätte auch einen Platz und es gäbe einen großen Wachhund (den ich mir schon Wünsche seitdem ich 2 Jahre alt bin! :-) ) und zwei wunderbare Kinder, die das große Glück haben so aufzuwachsen und die richtigen Werte mitbekommen vor allem was Ernährung, Arbeit und Loyalität angeht, die toben können und mit der Natur aufwachsen können! Alles mit viel Liebe zum Detail!  Das wäre perfekt!

“Vielen vielen Dank für das Feedback! Ich bin bei meinen Weinen viel nach Gefühl vorgegangen und vertrete die Meinung, dass Wein ein Naturprodukt ist und obwohl ich ja auch durch die ProWein relativ früh füllen musste, hatten meine Weine nicht eine Minute Stress! Der Müller konnte sich bis zur Füllung auf der Hefe ausruhen und da ich ökologisch arbeite sehen meine Weine auch nicht viel Schwefel und werden nicht unnötig hin und her gepumpt oder geschönt und ich bin der festen Überzeugung, das Ruhe und Respekt vor dem Naturprodukt das wichtigste in der Weinherstellung sind!”

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